„Das Plößberger Krippenparadies"

Plößberg - Ort der Krippen - Historische Fundierung

Plößberg ist seit jeher Mittelpunkt eine der Regionen, in der die Krippenschnitzerei in der Tradition der Hauskrippe betrieben wird. Zu jedem Haus gehört die, von den Hausinhabern geschnitzte und über Generationen fortgeführte und vererbte Hauskrippe. Dazu gehört, das die Krippen zur Weihnachtszeit im Haus aufgestellt, von Nachbarn besucht oder bei Ausstellungen aufgebaut werden.

Das Krippenschnitzen und das Aufbauen der Krippen ist keine Folklore, es ist im Bereich Plößberg gelebtes und noch lebendiges Brauchtum.

Das Krippenschnitzen und der Aufbau der Krippen ist eng an die christliche Grundüberzeugung der Menschen der Region Plößberg gebunden, das Brauchtum der Krippen ist als das „ Zusammenkommen des Menschen mit Gott" zu bezeichnen. Das Krippenschnitzen und der Aufbau der Krippen als lebendiges Brauchtum setzen in der heutigen schnellen, hektischen, von Medien bestimmten Welt einen Kontrapunkt der Langsamkeit, der Besinnung und der Ursprünglichkeit.

Anliegen und Auftrag

Eines der vorrangigen Ziele des Oberpfälzer Waldverein ist der Erhalt von Brauchtum. So müssen wir Traditionen fortführen, dabei mit dem Erbe der Väter getreulich umgehen und es trotzdem weiterentwickeln und an unsere Kinder weitergeben.

Die Besonderheit der Plößberger Krippe

Die Plößberger Krippe gruppiert sich um den Krippenstall. Die Figuren sind zwischen 8 - 10 cm hoch, sind bunt, mit kräftigen Farben bemalt. Sie spielen das Geschehen der Geburt auch im Stall zu Bethlehem, sind biblische Szenen eingebaut aus dem Alten und Neuem Testament, so zeigt die Plößberger Krippe doch viel bayrisches Alltagsleben, Handwerker treten auf, Jagdszenen, bäuerliche Arbeit. Über Generationen vererbt zeigen sie vom Fleiß der Holzschnitzer und eine einzige Krippe kann bis zu 300 Figuren umfassen.
Der Krippenberg, über Jahrzehnte gewachsen, kann bis zur Zimmerdecke reichen, die Ausmaße von 20 - 30 qm für eine einzelne Krippe sind keine Seltenheit.
Aufgebaut wurden die Krippen in der „Wohnstube", ein Zeichen dafür, dass man die Krippe ganz nah war, man lebte und lebte mit der Krippe und ihrer Botschaft.

Die Materialien der Plößberger Krippen

Die Materialien der Plößberger Krippen sind Ausdruck der Verbundenheit der Krippenschnitzer mit ihrer Landschaft. Die verwendeten Materialien finden diese „vor der Haustür". Die Figuren werden aus dem weichen, gut bearbeitbarem Lindenholz geschnitzt, Fichte und Kiefer bilden den Rohstoff für Häuser und Gebäude, der Krippenberg wird aus den Wurzeln und Wurzelstöcken der Oberpfälzer Bäume gebaut. Rindenstücke, Baumknorpel, Buchenschwämme und Steine und Steinchen, Granit und Quarz, Wacholderbuschzweige und Steinmoos vervollständigen die Materialliste. So bietet die Landschaft der Oberpfalz die Grundstoffe für den Bau der Weihnachtsgeschichte, die im Heiligen Land spielt, aber dadurch in die Wohnzimmer der Oberpfälzer Bauern und Handwerker gelangte.

Geschichte des Plößberger „Krippenparadies"

Die Geschichte der Plößberger Krippen ist wechselhaft, sie war jeweils der Zeit und ihren politischen und ökonomischen Zwängen unterworfen. Und wie bei vielen volkstümlichen Traditionen sind die Ursprünge nicht fassbar, wurde von der zeitgenössischen Wissenschaft nicht beachtet, nicht dokumentiert, so auch das Krippenschnitzen, als eine tief im Volk verwurzelte, vom „kleinen Mann" betriebliche Volkskunst.

1925, die Volkskunst war auf die Plößberger Krippenlandschaft aufmerksam geworden, schrieb Professor Rudolf Hartinger in der Zeitschrift „Die Oberpfalz", dass um Plößberg eine „Krippenidylle herrsche, die ihresgleichen in Bayern suche".

Dabei ist die Krippenschnitzerei durch Glasofenbauern, die aus Plößberg und Umgebung, von Glashütte zu Glashütte in Tirol, Böhmen und Thüringen ziehend, mit diesem Volksbrauch in Berührung gekommen waren, mitgebracht worden und in und um Plößberg zu diesem regional typischen Kennzeichen gewandelt worden.

Vielen Hausbränden sind alte Krippen zum Opfer gefallen, die Säkularisation hat das Aufstellen behindert und verboten, Blütezeit wechselt mit Zeiten geringen Zuspruch. Zur Zeit des ersten Weltkrieges standen ca. 150 große Hauskrippen im Plößberger Raum, noch war die Tradition ungebrochen. Tiefer schnitt der zweite Weltkrieg ein, die bittere Armut zwang teilweise zum Verkauf von Krippen, einzelne Figuren wurden als Spielzeug für die Kinder genutzt. Die Krippen blieben indes Träger von Identität der Familien, trugen Erinnerungen weiter. Die Aufbruchstimmung des „Wirtschaftswunder" ließ Traditionen wie das Krippenbauen überkommen und unzeitgemäß erscheinen, ein Rückgang des Brauchtums setze ein. Doch der Trend wurde in den Siebziger Jahren umgekehrt. Die Besinnung auf vertraute Werte setze ein. Die Hauskrippe wurde als Wert wieder erkannt, die Schnitzereitradition von den Großvätern und Vätern wieder aufgegriffen.

Die Renaissance der Krippenschnitzerei setze ein:

  • seit 1970 finden alle fünf Jahre eine große Krippenaustellung statt.
  • Schnitzkurse im Werkraum der örtlichen Schule werden durchgeführt.
  • Abwechselnd zur Krippenschau wird ein „Krippenweg" im Ort angeboten.
  • Die Krippen machen auch weite Wege, wurden schon in der Bayrischen Vertretung in Bonn und Berlin aufgebaut und dienten als Botschafter oberpfälisch- bayrischer Lebensart und Lebenstradition, wie auch bei den Weltkrippenschauen in Nürnberg und Augsburg.
  • 2007 fand die aktive Rolle der Plößberger Krippenlandschaft auch eine Würdigung durch die erste regionale Konferenz der Oberpfälzer Krippenfreunde.

Krippen

Galerie

Kontakt:
OWV Plößberg
Hubert Haubner
Schirnbrunn 8
95703 Plößberg
Tel.: +49 (0) 96 36 - 92 48 18
Mail: info@krippenschau.de

Anfahrt zur Krippenschau:
Jahnstraße 1
95703 Plößberg